Geschichte

Schon mehr als hundert Jahre ist das Thema Abwasserbeseitigung für die Amberger Kommunalpolitik aktuell, gewann jedoch von Jahr zu Jahr an Bedeutung.

Abwasserentsorgung um die Jahrhundertwende

Nach der Jahrhundertwende wurden in Amberg die ersten Abwasserkanäle teils privat (Firma Baumann), teils öffentlich erstellt. Sie leiteten das anfallende Schmutzwasser ungereinigt der Vils zu. Dieser Zustand erwies sich sehr bald als völlig untragbar, so dass im Jahre 1914 mit dem Bau einer neuen Kanalisationsanlage zur Abführung sämtlicher Abwässer der Stadt Amberg begonnen wurde. Kernstück dieser Anlage war das Klärwerk an der Bruno-Hofer-Straße, die nach dem Entwickler des Reinigungs-systems Prof. Dr. Bruno Hofer, München, benannt ist. Schon früh dachte man an eine mechanische und biologische Reinigung der Abwässer, was zur damaligen Zeit als sehr fortschrittlich galt. Für die mechanische Reinigung beschloss die Stadt Amberg, ein „Kremer-Klärwerk“ ausführen zu lassen, während die biologische Reinigung der Abwässer in dafür eigens gebauten Fischteichen erfolgen sollte.

 

Erweiterungen nach dem Krieg

Damit war es den Verantwortlichen gelungen, das Abwasser von rund 30 000 Einwohnern Ambergs zu entsorgen. Die Inbetriebnahme des „Kremer-Klärwerks“ fand am 15. Dezember 1917 statt. Bis 1945 reichte diese Art der Abwasserreinigung aus. Mit dem Eintreffen der Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl der Stadt Amberg schlagartig um 15 000 Menschen. Die Leistungsfähigkeit des Klärwerks war damit überfordert, so dass eine Erweiterung ins Auge gefasst werden musste. Die ersten Überlegungen dazu reichten in den Anfang der Fünfzigerjahre zurück. 1953 erhielt das Ingenieurbüro A. Götz, München, den Auftrag, das Amberger Klärwerk zu erweitern. Die Kosten hierfür wurden auf 1,11 Millionen Mark veranschlagt: eine für damalige Verhältnisse riesige Summe. Die Anlage wurde als Tropfkörperanlage mit Nachklärbecken und Gaserzeugung in zwei Faultürmen mit anschließender Verstromung für 65 000 Einwohnergleichwerte (EGW) konzipiert.

 

Industrieansiedlungen, Eingliederung von weiteren Zuwanderern sowie die vermehrt einsetzende Modernisierung von Wohnraum durch Einbau von WCs und Badeinrichtungen trugen sehr schnell dazu bei, das in den Jahren 1956/57 erweiterte Klärwerk wieder in den Grenzbereich seiner Leistungsfähigkeit zu bringen. Es tauchte die Frage auf: Soll die bestehende Anlage erweitert werden oder soll man sich an den Bau eines neuen Klärwerks wagen? Die im Süden der Stadt Amberg liegende Gemeinde Haselmühl-Kümmersbruck sah sich aufgrund der regen Bautätigkeiten ebenfalls mit zunehmenden Problemen bei der Abwasserreinigung konfrontiert. In den Jahren 1960/61 errichtete die Bundesrepublik Deutschland in Gärmersdorf eine Kaserne. Damit ging die Gemeinde Haselmühl-Kümmersbruck die Verpflichtung ein, ein bis dahin fehlendes Klärwerk zu errichten. Sehr schnell war diese Anlage jedoch überlastet. Die politisch Verantwortlichen waren gefordert, sich Gedanken zu machen, wie in Zukunft in der Region Amberg-Kümmersbruck eine für Jahrzehnte ausreichende Abwasserreinigung betrieben werden kann. Das Landesamt für Wasserwirtschaft in München wurde eingeschaltet, und so kam man recht bald zu dem Schluss, in interkommunaler Zusammenarbeit eine vollkommen neue Großkläranlage zu erstellen.

Neuer Standort Theuern

Man begab sich auf Standortsuche. Nach langem Hin und Her einigte man sich auf den heutigen Standort südlich von Theuern. Daraufhin wurde im Jahre 1973 ein diesbezüglicher Abwasserrahmenplan erstellt. Ein Jahr später gründete man den „Zweckverband zur Abwasserbeseitigung der Stadt Amberg und der Gemeinde Kümmersbruck“ mit dem Ziel, nunmehr eine wirklich zukunftsweisende Abwasserreinigungsanlage zu bauen. 1975 begannen die Planungen. Neben der neuen Kläranlage mussten Hauptsammler und Regenüberlaufbecken geplant, finanziert und erstellt werden. Oberbürgermeister Franz Prechtl konnte 1986 den ersten Spatenstich zum Bau des Klärwerks Theuern vollziehen.

Die Freude bei allen Beteiligten war groß. Die ebenfalls dem neuen Zweckverband angehörende Gemeinde Freudenberg leitete das anfallende Abwasser aus dem Ortsteil Aschach in den Krumbachtalsammler, während die ebenfalls zur Gemeinde Freudenberg gehörenden Ortsteile Paulsdorf, Hiltersdorf und Altenricht das anfallende Abwasser bei Lengenfeld dem Vilstalsammler zuführten. Die beiden Hauptsammler (Krumbachtalsammler und Vilstalsammler) wurden im Jahre 1990 fertiggestellt.

 

Im Dezember 1990 wurde der Probebetrieb im Rahmen eines kleinen Festaktes im Klärwerk Theuern mit Hebeanlage, Rechen, mechanischer Reinigung und Vorklärung aufgenommen. Im Mai 1991 wurde die biologische Reinigungsstufe zugeschaltet. Mit der Inbetriebnahme der Kammerfilterpresse im Januar 1992 ging das Klärwerk Theuern vollständig in Betrieb.